DAX +2,91 % 25.484,85 Pkt 12:15:07 MDAX +1,99 % 32.304,33 Pkt 12:15:07 Euro Stoxx 50 +1,26 % 6.359,81 Pkt 12:15:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,50 % 64.931,19 Pkt 08:45:03 Gold +0,55 % 4.093,20 USD 12:20:04 Silber +0,88 % 59,43 USD 12:18:52 Brent -8,49 % 88,56 USD 12:19:59 WTI -7,11 % 82,96 USD 12:20:04 Bitcoin -0,08 % 65.290,50 USD 12:29:50 EUR/USD +0,21 % 1,14010 USD 12:29:20 EUR/GBP +0,06 % 0,85510 GBP 12:30:07 EUR/CHF -0,09 % 0,92850 CHF 12:30:07 EUR/JPY +0,01 % 186,409 JPY 12:30:07

Zwischen Sommerparty und klarer politischer Kante

Unterhaltung

Zum Abschluss stand alles im Zeichen von Sommer, Sonne und Leichtigkeit. Der Sonntag als letzter Tag des Karlsruher Open-Airs „Das Fest“ war von der Sonne verwöhnt und bot viel Unterhaltung. Den Auftakt machte das Klassikfrühstück, das zum dritten und letzten Mal von Georg Fritzsch als Generalmusikdirektor der Badischen Staatskapelle geleitet wurde. Mit gewohnt humorvoll-informativer Moderation führte Fritzsch durch das Programm, das „Tänze quer durch Europa“ bot. Es folgte das beliebte und in diesem Jahr besonders stark gefragte Entenrennen für einen guten Zweck, und auf der Hauptbühne waren die britische Jazzgitarristin Rosie Frater-Taylor, der US-Soulsänger Ray Dalton, die deutsche Sängerin Leony sowie das Hip-Hop-Duo Max Herre & Joy Delanane zu erleben. „Fest“-Veranstalter dankbar für stabiles Wetter Am erfreulichsten aus Sicht der Veranstalter war die stabile Wetterlage, die zu einem entsprechend hohen Besucherandrang führte. „Von vier so fantastischen Festivaltagen am Stück wagt man ja gar nicht mehr zu träumen, wenn man sieht, was wettermäßig passieren kann“, sagte Martin Wacker. Im vergangenen Jahr war „Das Fest“ mehrfach von Starkregen betroffen gewesen. Jetzt war exakt eine Woche vor Festivalbeginn ein heftiges Unwetter über Karlsruhe niedergegangen und hatte auf dem „Fest“-Gelände mehrere Bäume entwurzelt. Es ist mal wieder ein Karlsruher Wunder geworden. Martin Wacker Geschäftsführer „Das Fest“ „Wenn man an all die Herausforderungen denkt, dann ist es mal wieder ein Karlsruher Wunder geworden“, sagte Wacker, Geschäftsführer der veranstaltenden Karlsruhe Marketing und Event GmbH, in einer ersten Bilanz. Auch das Resümee von Polizei, Rotem Kreuz und Feuerwehr fiel positiv aus angesichts eines friedlichen Verlaufs mit wenig Einsätzen. Rund 260.000 Menschen an vier Festivaltagen Insgesamt seien an allen vier Tagen 260.000 Menschen auf dem Gelände gewesen. Etwas mehr als die Hälfte war im kostenfrei zugänglichen Bereich unterwegs, mit dem „Das Fest“ seine Wurzeln als Umsonst-und-Draußen-Veranstaltung pflegt. Für den Hauptbühnenbereich seien mehr als die 120.000 Tickets verkauft worden, die man als Ziel anvisiert habe. Ausverkauft war das Tageskontingent von 35.000 Tickets in diesem Jahr nur am „Fest“-Samstag. Für die beiden Vortage gingen jeweils rund 30.000 Karten weg, am Sonntag waren es etwa 25.000. „Das Fest“ spürt Zurückhaltung beim Ticketkauf „Wir bemerken eine Zurückhaltung der Menschen beim Kartenkauf, aber das hören wir auch von allen anderen Veranstalterkollegen“, so Wacker. Am Samstag hatte er bei einem Talk am BNN-Stand auf dem „Fest“ über diese und andere Herausforderungen gesprochen. „Das Fest“, so Wacker, lebe vom Gemeinschaftsgefühl am und um den Hügel. Daher investiere man eher in die Verbesserung von Sicherheit und Aufenthaltsqualität als in teure Stars. Top-Acts konnten in Karlsruhe überzeugen Doch auch die diesjährigen Top-Acts konnten überzeugen. Nico Santos krönte den ersten „Fest“-Abend mit einer sehr zugewandten Performance, bei der er der Menschenmenge am „Mount Klotz“ Komplimente machte, sich zum Mittanzen unters Publikum mischte und einen Besucher für einen gemeinsam improvisierten Song auf die Bühne holte. Am Freitag feierten die Beatsteaks 19 Jahre nach ihrem ersten „Fest“-Auftritt ein umjubeltes Hügel-Comeback. 90 Minuten lang haute die Berliner Band einen Vollgas-Song nach dem anderen heraus, ohne sich lange mit Ansagen aufzuhalten. Nur eine Atempause im Beatsteaks-Set Durchschnaufen konnte man allenfalls bei der Ballade „Hey Du“, gesungen von Gitarrist Peter Baumann. Das war auch eine Atempause für Sänger Arnim Teutoburg-Weiß, der sich ansonsten mit ungebremster Energie ins Zeug legte. Beim Hit „I Don’t Care As Long As You Sing“, dem letzten Song des Sets, wagte der 52-Jährige sogar seine eigentlich schon zu den Akten gelegte Shownummer, sich auf dem Surfbrett übers Publikum tragen zu lassen. Auch ihr 19 Jahre zurückliegendes „Fest“-Debüt brachte die Band zur Sprache. „Wenn wir über die besten Konzerte sprechen, dann ist dieser Auftritt immer mit dabei“, rief Teutoburg-Weiß in die Menge. Und setzte noch einen drauf mit der Songzeile „Das Fest ist viel geiler als Rock am Ring.“ In die gleiche Kerbe schlug der Berliner Sänger Zartmann am Samstagabend. Der junge Rapper, der dem diesjährigen „Fest“ den einzigen Tag mit ausverkauften Hauptbühnen-Tickets beschert hatte, ließ seiner Freude über die Stimmung am Hügel freien Lauf. Karlsruhe: einfach zehn von zehn Punkten. Zartmann Top-Act bei „Das Fest“ Auch die Stadt selbst hat ihn und seine Band begeistert: Zartmanns Musiker schwärmten auf der Bühne von den krassen Rutschen im Europabad, der Sänger wiederum staunte über die Lage des Zoos: „Ich bin heute über eine Brücke gegangen und da stand da unten auf einmal ein Elefant.“ Sein Fazit: „Karlsruhe: einfach zehn von zehn Punkten.“ Abgesehen von einigen wenigen Powernummern wie dem letzten Song „Tau mich auf“ kam Zartmann mit seinen oft melancholischen Songs für einen „Fest“-Top-Act vergleichsweise ruhig daher. Auch der poetische Zartmann wird politisch Der Senkrechtstarter des vergangenen Jahres setzt bewusst auf Gefühle. „Danke an alle, die sich trauen, ihre vollen Emotionen zu zeigen“, rief er ins Publikum. Und: „Karlsruhe, ich küsse eure Herzen.“ Zwar drehen sich Zartmanns Texte fast durchweg um persönliche Empfindungen. In „Wie du manchmal fehlst“ heißt eine Textzeile: „Alles was ich schreib’ hab ich so erlebt.“ Doch ein Thema treibt auch ihn um: der gesellschaftliche Klimawandel. Seinen Auftritt eröffnete er mit dem ersten Refrain aus „Meinen die uns“, der eine unmissverständliche Ansage gegen die AfD enthält. Wirbel in Karlsruhe um Rapper Disarstar Ebenfalls sehr vehement wetterte der Hamburger Rapper Disarstar gegen die Bundesregierung und deren Sozialstaat-Umbau. Seine drastischen Sprüche zu Bundeskanzler Merz und seine Aussage, die CDU habe versucht, auf die Veranstalter einzuwirken, „dass ich hier nicht spiele“, warfen in Debatten abseits der Bühne die Frage auf, wie politisch ein Festival sein kann und darf. „Fest“-Chef Martin Wacker sagte hierzu: „Wir sind kein politisches Festival. Aber ein Festival ist auch ein Abbild gesellschaftlicher Diskussionen.“ Diese spiegelten sich auch an anderer Stelle. Etwa beim Auftritt des Chemnitzer Trios Blond, das in seinen Songs unverblümt für weibliche Selbstermächtigung eintritt. Die Schwestern Nina und Lotta Kummer an Gitarre, Schlagzeug und Leadgesang nahmen mit deftigem Wortwitz kein Blatt vor den Mund. Die Themen ihrer Songs reichen von Erfahrungen beim Dating und übergriffiges „Mansplaining“ über die Tücken des eigenen Körpers (“Vier Stunden Fahrt mit Schmerzen im Flixbus / Glaub mir, die Periode ist kein Luxus“) bis zur klaren Absage an das Patriarchat. Auch wenn manche Acts beim „Fest“ 2026 erkennen ließen, dass sie angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen klare Kante für notwendig halten, standen konfrontative Ansagen nicht im Vordergrund. Vielmehr betonten viele Künstler mit Appellen an Solidarität und Empathie ihre Haltung gegen einen Rechtsruck. „Fest“-Künstler appellieren an Gemeinschaftssinn Zu den häufigsten Ansagen gehörte die Aufforderung, aufeinander aufzupassen und die gewonnene Freiheit des Zusammenlebens nicht aufzugeben. Die Beatsteaks machten dies am Freitagabend noch eher humorvoll. Da fragte Sänger Teutoburg-Weiß zunächst leicht provokativ: „Wir sind ja hier in Baden-Württemberg. Wer kommt denn aus Baden und wer aus Württemberg?“ Und schob dann hinterher: „Es gibt schon jetzt viel zu viele Diskrepanzen, aber hier beim Festival brauchen wir die nicht.“ Diese Haltung wurde am Sonntag unter den Eindrücken des Anschlags beim Berliner Christopher Street Day noch akuter. Beim Abschlusskonzert auf der Hauptbühne setzte Max Herre ein Zeichen, als er über die Bedrohungen sprach, denen sich die queere Community ausgesetzt sieht. Sein eindringlicher Appell an das Publikum: „Lasst euch nicht spalten. Bleibt zusammen und lasst uns noch ein bisschen feiern.“ Worum es bei Veranstaltungen wie „Das Fest“ geht, lässt sich auch ganz allgemein in Songtexten ausdrücken, Ein Beispiel lieferte Ray Dalton auf der Hauptbühne am frühen Sonntagabend mit der so simplen wie treffenden Songzeile: „Love is all we got.“

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