Zwischen Wut und Sorge: VW-Beschäftigte in Sachsen gehen auf die Straße
Stand: 09.07.2026 20:26 Uhr VW will noch mehr sparen, der Aufsichtsrat berät über mögliche Werksschließungen und Stellenabbau. Die IG Metall hält mit bundesweiten Aktionen dagegen. Für viele Beschäftigte geht es bei den Protesten um weit mehr als ihren Arbeitsplatz. Die mögliche Schließung von VW-Standorten schürt Ängste um die eigene Zukunft, Familien und die wirtschaftliche Perspektive einer ganzen Region. von MDR SACHSEN Hunderte Beschäftigte von Volkswagen in Sachsen sowie bei Porsche in Leipzig haben gegen mögliche Werksschließungen und Stellenstreichungen protestiert. Die IG Metall spricht von einem deutlichen Signal an die Konzernspitze. Besonders am Standort Zwickau wachsen Sorgen um Arbeitsplätze und die Zukunft der Region. Hunderte Beschäftigte von Volkswagen in Sachsen haben am Donnerstag gegen Schließungspläne der Konzernspitze protestiert. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich vor dem VW-Werk Zwickau bis zu 700 Mitarbeiter sowie Beschäftigte von Zulieferern aus der Region sowie eine Delegation aus dem Opel-Werk in Eisenach. "Dieser Standort wird nicht geschlossen, nicht gegen unseren Willen. Wir werden diesen Standort verteidigen", sagte Thomas Knabel, erster Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau, vor den versammelten Beschäftigten. Dieser Standort wird nicht geschlossen, nicht gegen unseren Willen. Thomas Knabel, IG Metall Zwickau In Chemnitz beteiligten sich laut Gewerkschaft 600 Beschäftigte. Sprecher Eddie Kruppa sagte MDR SACHSEN, die Menschen seien wütend und verunsichert. Bei Porsche in Leipzig kamen demnach rund 100 Beschäftigte zu einer Symbolischen Aktion zusammen, an der früheren VW-Manufaktur in Dresden versammelten sich 80 Teilnehmer. Der IG-Metall-Bezirksleiter von Berlin-Brandenburg und Sachsen, Jan Otto, sagte bei der Kundgebung, man werde Werksschließungen nicht hinnehmen - weder in Sachsen noch an anderen Standorten in Deutschland. Die Werke in Chemnitz und Zwickau würden das Rückgrat der sächsischen Wirtschaft bilden. Nach Angaben der Gewerrkschaft ist der Protesttag ein klares Signal an den Vorstand gegen "Kahlschlagpläne". Die Gewerkschaft warf der Konzernspitze vor, Versäumnisse auf dem Rücken der Beschäftigten abzuladen. Beschäftigte: "Wirklich alles hängt hier dran" Bei Beschäftigten des Zwickauer Volkswagen-Werks sind Angst und Unsicherheit angesichts drohender Schließungspläne der Konzernspitze groß. "Wenn das hier wegfällt, haben wir nicht mehr viel", sagte Robin Heuer, Mitarbeiter in der Inbetriebnahme des Zwickauer Werks, am Rande der Protestaktion. Er fühle sich "verarscht". "Also alles, wirklich alles hängt hier dran – die ganzen Zukunftsängste, Leute, die gerade noch ein Haus bauen, ist es dann das noch wert?", so der 32-Jährige. Wie sie ihrer Zukunft gestalten soll, fragt sich auch Jessica Kölzig. "Ich war hier immer sehr zufrieden und habe auch immer gedacht, dass ich bis zu meiner Rente hier arbeite – aber das sehe ich jetzt ein bisschen anders", sagte die Mitarbeiterin des VW-Werks. Es stehe viel auf dem Spiel für die 30-Jährige. "Ich habe auch eine kleine Tochter und um die mache ich mir natürlich auch Sorgen, wie ihre Zukunft dann mal aussehen wird." Ostbeauftragte warnt vor Aus in Zwickau Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), warnte den Volkswagen-Konzern vor einer Schließung des Werks in Zwickau. Sie sagte der "Leipziger Volkszeitung", die Folgen wären fatal und würden die ostdeutsche Automobilindustrie insgesamt treffen. Schon jetzt sorge die Diskussion für enorme Verunsicherung in der Region. Kaiser erwartet demnach von Volkswagen eine klare Zukunftsperspektive für die betroffenen Standorte. CDU-Politiker: Kahlschlag bei VW betrifft ganz Sachsen Der sächsische CDU-Politiker Marko Schiemann warnte: "Dies ist keine Entwicklung, die sich allein auf die Region um Zwickau auswirkt, sondern auch auf Oberlausitzer Unternehmen Auswirkungen hat". Zulieferer in ganz Sachsen seien betroffen. Es drohe, zu einer Kettenreaktion zu kommen. Aufsichtsrat berät über Einsparungen Hintergrund der Proteste ist eine Aufsichtsratsitzung bei Volkswagen am Donnerstagnachmittag. Dort soll über Einsparungen beraten werden. Medienberichten zufolge könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen und mehrere Werke in Deutschland geschlossen werden, darunter das Zwickauer Werk mit seiner Produktion von Elektromodellen. MDR (jhe/mis/ahi/wim/kbe)/reuters